Kirchenlatein

„Augustus – 3. – Honestus adolescens Paulus Metzenroth J. Jacobi (Genitiv: des Jacobus) Metzenroth filio legit(imus) et Catharina Diskilbl Nicolai Diskilbl ex Steinboc konfirm filia legit(ima) … „ August, 3. – Angesehener / ehrenwerter Jüngling Paulus Metzenroth, legitimer Sohn des J. Jacobus Metzenroth und Catharina Diskilbl, bestätigte legitime Tochter des Nicolai Diskilbl aus Steinbockenheim … Hochzeit Paulus Metzenroth & Catharina Diskilbl 1716 . Bildquelle G. Remmet. Zur Vergrößerung anklicken.

Kirchenlatein ist eine im Kontext der abendländischen Kirche entwickelte, syntaktisch vereinfachte, mit dadurch neu geschaffenen Wörtern (Floskeln) verkürzte Form des Lateins. Vor allem als Amtssprache in kirchlichen Dokumenten.

Familienforschung beginnt oft in Zivilstandsregistern und Registern der Heimatgemeinde. Vor den 1830er Jahren versiegen jedoch diese Quellen. In frühere Zeiten gewähren die Pfarrbücher Einblick. Während die protestantischen Pfarrbücher mit wenigen Ausnahmen die kirchlichen Handlungen in deutscher Sprache verzeichnen, sind die Eintragungen in den Registern der katholischen Kirche früher in lateinischer Sprache abgefasst.

Abkürzungen / Floskeln

Die Pfarrbücher befassen sich mit begrenzten Ereignissen des menschlichen Lebens wie Geburt, Taufe, Ehe und Tod. Daher ist das Latein dort in ständig wiederkehrenden Ausdrücken als Floskeln abgekürzt und für Laien schwer lesbar.

1. Beispiel: Hochzeit Joes Jakobi Metzenroth

Hochzeitseintrag Joes Jacobi Metzenroth (1660-1733, Sohn des Adamus Metzenroth) mit Ehefrau Maria Margretha Hanusch (1654-1720, Tochter des Paulus Hanusch)
N O T A T I O NB E D E U T U N GÜ B E R S E T Z U N G
schwarz, fett: ______ Urkundentext in Kirchenlatein. Beispiel: fil: leg:schwarz, nicht fett: Deutung Abkürzungen / Fälle. Beispiel: filius legitimusunterlegt, fett: _______ Übersetzung in Deutsch. Beispiel: legitimer Sohn

Anno 1684 Januarius 24 => Am 24.01.1684

Matrimonium in faire ecclesia inierunt Joes Jacobi, Adami (Genitiv: des Adam) Metzenroth fil:(filius) leg:(legitimus) et pudica virgo Maria Margretha(,) Pauli (Genitiv: des Paulus) Hanusch p. m. (post meridiem) civis Kempt: fil:(filia) leg: (legitima)

=> Zur Hochzeit, durchgeführt in der Kirche, betraten (diese) Joes Jacobi, legitimer Sohn des Adam Metzenroth und die keusche unverheiratete (jungfräuliche) Maria Margretha, legitime Tochter des Paulus Hanusch, nachmittags in der Gemeinde Kempten.

2. Beispiel: Kirchenbuch Sterbeeintrag

Ein Auszug aus dem Kirchenbuch Bingen-Kempten verdeutlicht für den heutigen Leser die Schwierigkeiten, Kirchenlatein zu interpretieren. Der Eintrag in der letzten Zeile des hier nicht sichtbaren Jahres 1733 lautet:

die 19 10bris sepultus est Joes Jacoby Mezenroth vinnus seniorite‘ provisus

Kath. Kirchenbuch Bingen-Kempten Auszug Sterbeeintrag Joes Jacobi Mezenroth 19.12.1733. Bildquelle G. Remmet via ancestry. Zur Vergrößerung anklicken.

Floskel: Die 19 = Langform: dies 19 = Bedeutung: Tag 19 =>Im Kontext: Am 19.

Floskel: 10bris Langform: decembris = Bedeutung: decem=zehnter bris=Monat (alte Monatszählweise) => Im Kontext: Dezember

  • sepultus est = begraben
  • Joes = Johann(es) Jacoby = Jakob, Jakobus Mezenroth = Metzroth
  • vinnus seniorite‘ = ?———?
  • provisus = mit kirchlichem Ritus vorbereitet

=> Am 19. Dezember 1733 wurde Johann Jakob Metzroth begraben, nach kirchlichem Ritus vorbereitet

3. Beispiel: Kirchenbuch Hochzeit

Paulus (Pauli) Metzroth (Metzenroth) heiratete laut folgendem Kirchenbucheintrag am 3. August 1717 Catharina Diskilbl:

Kirchenbuch Auszug: Hochzeitseintrag Paulus Metzenroth und Catharina Diskilbl. Bildquelle G. Remmet via ancestry. Zur Vergrößerung anklicken.

„Augustus – 3. – Honestus adolescens Paulus Metzenroth J.Jacob Metzenroth filio legit(imus) et Catharina Diskilbl Nicolai Diskilbl ex Steinbockenheim konfirm filia legit(ima) ….. „

3. August – Der angesehene/ehrenwerte Jüngling Paulus Metzenroth, legitimer Sohn des J. Jacobus Metzenroth und Catharina Diskilbl, legitime Tochter des Nicolai Diskilbl aus Stein-Bockenheim ..…

Kleine Einführung und Lexikon

Familienforscher haben zur besseren Lesbarkeit des Kirchenlatein eine kleine Einführung und sogar ein Lexikon erstellt und im Netz angeboten:

>>> Lesen Julies Schatzkiste, Kleine Einführung Kirchenlatein, 3 Seiten (kopiert 23.04.23 aus www.schatzkiste.blog)

>>> Lesen Kirchenlatein Lexikon, 19 Seiten, Copyright Anita Villnow, Jettingen (Stand 23.04.23)

Lateinische Bezeichnungen in alten Kirchenbüchern

Pfarrer P. Lachat hat eine ausführliche, didaktisch vorzügliche Abhandlung zur Lesbarkeit lateinischer Kirchenbücher zu Taufe, Hochzeit und Tod verfasst. Der Herausgeber hat ein Exemplar erworben und wird seine 22 Seiten digitalisiert hier anzeigen.

  • ab Seite 02 – Römischer und Julianischer Kalender
  • ab Seite 07 – lateinisches Zahlensystem
  • ab Seite 13 – Schreibweisen im Taufbuch – liber baptizatorum
  • ab Seite 16 – Schreibweisen im Ehebuch – liber matrimoniorum
  • ab Seite 17 – Schreibweisen im Totenregister – liber mortuorum
  • ab Seite 19 – Schreibweise von Verwandtschaftsgraden